Sinkende Einnahmen: Gründe und Planänderungen
Wie bereits in meiner Jahresbilanz 2024 erwähnt, hatte ich im letzten Jahr weniger Einnahmen als erwartet. Worauf ich diesen Umstand zurückführe und womit ich 2025 gegenzusteuern versuche, erkläre ich in diesem Beitrag.

Obwohl ich im letzten Jahr mit Cinderellio ein überaus bekanntes Märchen neu interpretierte, Neuausgaben meiner in den Vorjahren gut verkauften Tödliche Krähen - Kurzromane herausgab und mit A very honest Christmas nach 31 veröffentlichten Büchern erstmals (wenig) besinnliche Kurzgeschichten präsentierte, sanken meine Jahresgesamteinnahmen auf ein neues Tief. Aufgrund der genannten Titel gehe ich nicht von einer fehlenden Abwechslung seitens meiner Bücher aus. Mittlerweile schreibe ich seit über zehn Jahren und konnte meine Werke in dieser Zeit nicht nur inhaltlich stark verbessern, sondern nutze seit 2017 statt selbst fotografierte Bilder mehrheitlich auch hochauflösende CC0 - Lizenzen für meine Cover. Zusätzlich widme ich mich beginnend mit Schokosucht seit 2022 jährlich ein bis zwei Neuausgaben, in denen ich ältere Titel in langwierigen Korrekturen überarbeite und durch meine gestiegenen Erfahrungen auf ein höheres Niveau hebe, welche auch stets mit einer höheren Seitenzahl einhergehen. Im Juni 2024 senkte ich sogar die Dateigrößen meiner Bücher, wodurch sich diese neben einem Umweltaspekt für Lesende nicht nur schneller herunterladen lassen, sondern mir auch im Centbereich wegen sogenannter Übertragungskosten auf Distributionsplattformen mehr Tantiemen bleiben. Selbst meinen Onlineauftritt konnte ich nach jahrelanger Nutzung einer Subdomain und oftmals thematischer Beschäftigung mit anderen Themen seit Juni 2020 professionalisieren, woran ich noch immer im Hintergrund arbeite. Trotz dieser Bemühungen reduzierten sich meine Tantiemen 2024 erneut. Nachfolgend möchte ich die Gründe dafür erforschen:
1. Grund: Kaufkraftverlust
Schon in meinem Beitrag über den Krisenmodus habe ich Gründe für gesunkene Buchverkäufe gesucht. Einer war der Kaufkraftverlust, der noch immer anhält. Hier verhält sich die Kundschaft allerdings widersprüchlich, weil ihr ein Kinobesuch mehr als 20€ pro Person oder das auswärts essen gehen mehr als 30€ wert, aber ihr im Gegenzug 4€ für ein oft länger zu konsumierendes Buch zu teuer ist. Das führte bei mir schon bei der Abgabe der Steuererklärung im vergangenen Frühjahr zu Frust, weil ich bereits 2023 so wenig Tantiemen wie noch nie verdient hatte und meine Arbeit finanziell nicht genug gewürdigt fand. Aber auch im Folgejahr sollte dieser Abwärtstrend anhalten - so konnte ich hierin nur noch die Hälfte meiner ohnehin schon geringen Einnahmen erzielen. Aus diesem Grund machte ich 2024 eine Nullrunde und verzichtete auf eine Preiserhöhung meiner Bücher, die eigentlich notwendig wäre, um die gesunkenen Einnahmen zu kompensieren. Eine Anhebung der Kaufpreise würde aber selbst zum gegenwärtigen Zeitpunkt einen entgegengesetzten Effekt erzielen.
2. Grund: Weltbild - Insolvenz
Was speziell die Buchbranche und meine Tantiemen betrifft, sehe ich einen weiteren Grund in der im Juni 2024 von Weltbild angemeldeten Insolvenz. Da schon wenige Wochen danach verkündet wurde, dass die Marke nicht gerettet werden konnte und Ende August rund 440 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz verloren haben, fielen für viele Schreibende auch ihre Einnahmen aus dem Onlineshop weg - so wie bei mir. Neben Thalia generierte ich über diesen Vertriebsweg die meisten und höchsten Einnahmen. Im Juni wurde ich von meiner Distributionsplattform darüber informiert, dass meine Bücher aufgrund des Insolvenzantrags aus dem Shop entfernt wurden und neue nicht mehr ausgeliefert werden. Offenbar haben sich die Lesenden noch nicht an einen neuen Shop gewöhnen können oder wollten aus verschiedenen Gründen nicht zu Partnershops wie Hugendubel oder Buecher.de wechseln. Der Geschäftsbetrieb des ebenfalls insolventen letzteren Shops läuft aber vorerst weiter.
3. Grund: Es wird weniger gelesen
Darüber hinaus haben wir Schreibenden natürlich ein Problem mit der generell gesunkenen Leselust. 2024 lasen Menschen in Deutschland täglich nur noch 27 Minuten, dafür stieg die Minutenanzahl die dem Fernseh - oder Streamingprogramm gewidmet wird. Hauptsächlich mache ich visuelle Reize sowie einen Aufmerksamkeitsverlust durch Videoplattformen wie TikTok für den Wandel verantwortlich. Wie der verlinkte Beitrag informiert, deutete schon 2023 eine entsprechende Studie an, dass sich das Gehirn von Kindern und Jugendlichen durch die regelmäßige Nutzung der Plattform mit ihren wenigen Sekunden langen Videos negativ verändern könnte. Der Trend, solche Portale zu nutzen, spiegelt auch das derzeitige Verhalten unserer erwachsenen Gesellschaft wider, die immer mehr Dinge gleichzeitig und unter Zeitdruck erledigen muss. Durch die schnellen visuellen Reize verlernen Nutzende meiner Meinung nach ihre natürliche Fähigkeit, sich auf ein Buch einzulassen. Sie empfinden das Lesen längerer Texte als anstrengend und verfügen über weniger Fantasie, wodurch die niedergeschriebenen Geschichten keine Bilder mehr in ihrem Kopf erzeugen können. Stattdessen finden sie es einfacher, sich einen Film oder ein Video anzusehen, bei dessen Konsum sie weniger nachdenken müssen, weil die Welten darin bereits existent sind.
Freiberufliche Schreibende haben noch immer das Nachsehen
Als 2007 der E - Reader der Amazon - Eigenmarke Kindle eingeführt wurde, gab es mit dessen gleichzeitig gelaunchten KDP - Dienst sowie später verfügbaren anderen Distributionsplattformen erstmals die Möglichkeit, dass kreative Köpfe ihre Geschichten selbst veröffentlichen konnten, statt sich an einen Verlag binden zu müssen. Anfangs war das Interesse an der neuen Technik und außergewöhnlichen Geschichten abseits des Mainstreams höher. Inzwischen hat sich dieses jedoch weitgehend verflüchtigt. Kauften 2019 noch 6,5 Millionen Deutsche E - Books, waren es 2023 nur noch weniger als die Hälfte: knapp 3 Millionen Deutsche. Wenn heute noch welche gekauft werden, dann meiner Beobachtung nach häufig nicht mehr jene von freiberuflichen Kreativen, sondern Verlagsbücher. Da durch die sozialen Netzwerke in den letzten Jahren allgemein viele Webseiten eingestellt wurden, so auch zahlreiche Rezensionsblogs, haben Selfpublisher*innen kaum noch eine Möglichkeit, ihre Bücher ohne großes Budget einem breiten Publikum vorzustellen.
Anders sieht das bei den Verlagen aus, die dank hochbudgetierten Kampagnen und teuren Werbeanzeigen die Gunst des noch lesewilligen Publikums erreichen. Selbst Veranstaltungen wie z.b. die Frankfurter Buchmesse werden nach wie vor überlaufen. An gedruckten Büchern und deren Umweltproblematik scheint sich wegen des weitgehend nachgelassenen Interesses an Fridays for future oder der Letzten Generation kaum noch jemand zu stören. So erleben Verlage trotz höheren Papierpreisen, gestiegenen Bücherpreisen, Social Media und einer gesunkenen Aufmerksamkeitsspanne aktuell eine Renaissance. Freiberuflich Schreibende haben hier jedoch das Nachsehen, da sie selten über ein hohes Budget und die nötige Reichweite verfügen. Auch ich kann keine Onlinewerbung für mehrere hundert Euro schalten und habe schon im Juni 2018 gemerkt, dass sich soziale Netzwerke oft nur für Unternehmen lohnen.
Meine Planänderungen für 2025
Aber einige Maßnahmen kann ich umsetzen, um meine Einnahmen vielleicht wieder etwas steigen zu lassen: z.b. mehr Angebote anbieten. Eigentlich wollte ich auch in diesem Jahr und in der Zukunft an meiner im April 2024 im Krisenmodus getroffenen Entscheidung, Preisreduzierungen nur noch an großen Feiertagen wie Halloween oder Weihnachten durchzuführen, festhalten. Die aktuellen Entwicklungen und gesunkenen Tantiemen haben aber unweigerlich zu einer Planänderung geführt. Deshalb werde ich 2025 probeweise jeden Monat mindestens einen Sale anbieten, allerdings darin weiterhin nicht über 30 Prozent Preisnachlass hinausgehen. Eine höhere Reduzierung würde mir weniger Einnahmen einbringen.
Eine weitere Änderung möchte ich an der Dauer der jeweiligen Aktionen vornehmen. Meine Sales waren bisher auf drei bis maximal sieben Tage limitiert. Im Zuge der Planänderung möchte ich hier eine Verlängerung ausprobieren und den Zeitraum der Preisnachlässe auf durchschnittlich 10 Tage ausweiten. Darüber hinaus gestalte ich wieder extra Werbebilder für meine Werbeheader, was ich in den letzten rund eineinhalb Jahren zwecks Zeiteinsparung nicht mehr getan habe. Diese könnten auf meiner Website optisch einen höheren Kaufanreiz als der bisher genutzte einfache schwarze Hintergrund bieten.
Zuletzt möchte ich einen günstigeren Vorbestellungspreis testen, der erst einmal auf 2025 begrenzt ist. Statt der bisher üblichen 50 Cent Rabatt, biete ich meine beiden Neuerscheinungen in diesem Jahr für einen Euro weniger während der Vorbestellungsphase an. Dadurch fällt die Preisersparnis für Lesende höher aus, wodurch ich trotz weniger Tantiemen dann mehr Vorbestellungen und am Ende etwas mehr Einnahmen bekommen könnte.
Ein Lichtblick?
Neben den gesunkenen Tantiemen bereiteten mir ab Juli 2023 auch gesunkene Besuchszahlen dieser Website Sorgen, die ab jenem Zeitpunkt plötzlich eingebrochen waren. Dieser Zustand sollte das restliche Halbjahr über anhalten und mich über einen Notfallplan nachdenken lassen. Bereits Anfang 2024 erholten sich die Zahlen jedoch wieder. Inzwischen verfügt meine Website erfreulicherweise erneut über viele Besuchende, die neben News zu kommenden Veröffentlichungen natürlich auch über Rabattaktionen informiert werden. Die nicht nur erholten, sondern auch wieder deutlich angestiegenen und bisher konstant bleibenden Besuchszahlen könnten ein Lichtblick sein, um zusammen mit meinen Planänderungen auch wieder höhere Tantiemen zu erzielen.
Fazit
Auch wenn die Sache mit dem Geld ein leidiges Thema ist, möchte ich mit Beiträgen wie diesem dennoch weiterhin transparent darüber berichten. Um nicht noch mehr Lesende zu verlieren, habe ich im letzten Jahr darauf verzichtet, meine Buchpreise anzuheben und werde vermutlich auch 2025 keine generelle Erhöhung durchführen. Stattdessen muss ich in diesem Jahr meine ursprünglichen Pläne mit selteneren Aktionen aufgeben und probeweise mehr Sales anbieten. Diese können, um nicht noch mehr Einnahmen zu verlieren, jedoch weiterhin nicht über 30 Prozent Rabatt hinausgehen. Die Angebote sollen dann auch länger als bisher laufen und optisch wieder mehr hervorgehoben werden. Zudem biete ich einen höheren Rabatt während der Vorbestellungsphase meiner diesjährigen Neuerscheinungen an. Ob diese Maßnahmen zu einer besseren Bilanz führen werden, werde ich erst Ende des Jahres wissen. Einen Lichtblick bildet aber immerhin die Tatsache, dass sich zumindest diese Website schon einmal von den gesunkenen Besuchszahlen erholen konnte.
Ob gerade ein Sale stattfindet und welches Buch daran teilnimmt, erfährst Du nach wie vor in einem entsprechenden Werbeheader auf der Startseite.